Vergangenheit / Gegenwart / Zukunft

10309523_10152407945857691_6032048320147265643_nRekonvaleszent und meiner Identität als Tänzer beraubt, kehrte ich in meine zweite Heimat Wien zurück.

Nachdem ich die glamouröse Welt des Theaters hinter mir gelassen habe, erkannte ich die Ressentiments, die das “Goldene Wiener Herz” für mich als gebürtigen Türken bereit hielt.

“GLOBAL VILLAGE UND INTEGRATION”

“Ist es nicht so, dass wir mit der technischen Entwicklung lange nicht Schritt halten konnten, besonders auf sozialer Ebene diese Integration weit nicht vollzogen haben?”

Die Ansichten von Marshall McLuhan bereiteten den Nährboden für das Konzept eines „global village“ und nachfolgende bzw. verwandte Ideen. Seiner Ansicht nach bestanden die informationstechnischen Entwicklungen in den 1960ern hin zu einem elektronischen Super-System ähnlich dem menschlichen Gehirn.

Seiner Ansicht nach sollte diese gehirnähnliche Entwicklung auch soziale Auswirkungen haben, und die einzelnen Teilnehmer näher zusammen führen. Seine revolutionären Ansichten führten dazu, dass die Entwicklungen von Technologie, Medienlandschaft und Kommunikation im Allgemeinen besondere Beachtung verdienen.

Picture 121 Picture 120 Picture 125

Seine Vision war die einer “globalen Integration” mit einem „real time“ Datenaustausch. Dies war bereits eine Idee aus ganz alter Zeit, als in ganz kleinen Strukturen („small village“) Information superschnell ausgetauscht und darauf reagiert werden konnte.

Doch bereits 1926 sprach der Physiker Nicolas Tesla von so etwas wie einem “Superhirn”, das kabellos aus einem rhythmischen Ganzen bestehe. Kommunikation erfolge ohne Zeitverzögerung über den gesamten Erdball hinweg.

Picture 123 Picture 127 Picture 129

Informationsweiterleitung hat etwas mit „Senden“ und „Empfangen“ und nachgelagerten Aktionen zu tun. Information bleibt Information, so weit diese nicht dazu genützt wird, ein mehr an Partizipation in ferneren Weltgegenden zu bewirken. Problemlösung auf globalerer Ebene unter revolutionär verbesserter Wissensbereitstellung ist heute bedeutsamer denn je. Gerade jedwede Form von Medienversorgung kann zu einem deutlich verbesserten Verständnis des jeweils anderen genützt werden. Holen wir die Welt zu uns!

Picture 91 Picture 105 Picture 106

Picture 107

Worin soll ich mich integrieren?

In so vielen Jahren, in denen ich so vielen Ländern gelebt – mit vielen unterschiedlichen Menschen, Sprachen, Kulturen und Mentalitäten – und gearbeitet habe, hatte ich eine Globale Identität entwickelt.

Ich war überrascht und verwundert und stellte mir die Frage, wo her diese Ablehnung, die ich in Österreich erfahren habe, ihren Ursprung nahm. Denn mir erging es nicht anders als in meiner türkischen Heimat: Längst fühlte und handelte ich „europäisch“ doch sollte ich meine türkische Identität verleugnen?

Picture 119

Wussten Sie, dass unsere DNA dieselbe eines Baumes ist? Ein Baum atmet ein, was wir ausatmen, und was der Baum ausatmet, atmen wir ein: So teilen wir mit dem Baum ein gemeinsames Schicksal.

Als ich nicht mehr tanzte, war ich in erster Linie nur mehr „der Türke“. Einige wandten sich wegen meiner Herkunft von mir ab. Andere fragten plötzlich, ob ich ein „moderner Türke und damit einer von uns sei“. Das „goldene Wiener Herz“, das mir früher so wohlgesonnen war, zeigte auf einmal seine Kehrseite.

Jetzt plötzlich sollte meine Herkunft wichtiger sein als meine Leistungen?

AschenbecherHohner (1)Wie werden wir es schaffen, diese schwierigen Probleme zu lösen wenn es bereits Jahre braucht, die Aschenbecher von unseren Esstischen zu entfernen und Schutzbedürftige vor unserem Qualm zu bewahren?

Soviel österreichische Identität  konzentriert sich nach wie vor auf das Habsburgerhaus und dessen romantisierte Geschichte. Zum Teil liegt dies wohl darin begründet, dass sich die Wirtschaft sehr auf den Tourismus stützt, und dieser stützt sich wiederum auf den Erhalt der imperialen Vergangenheit und deren künstlerischen und kulturellen Persönlichkeiten.

Drei Jahre lang hab ich recherchiert und Historiker, Zuwanderer und Österreicher interviewt. In der österreichischen Geschichtsschreibung sind die beiden Türkenbelagerungen von 1529 und 1683 ein zentrales Thema, ja ein Teil der österreichischen Identität – schließlich hätte man ja das Abendland vor dem türkischen Halbmond gerettet; in der türkischen Geschichtsschreibung ist die Belagerung von Wien hingegen nur ein Randthema.

Für meinen Film fragte ich Passanten, was Österreicher heute mit der türkischen Geschichte assoziieren würden.

b20 b30 b70

Die Antworten waren relativ stereotyp: neben den beiden Türkenbelagerungen fielen den meisten die Rettung der Christenheit vor dem Islam, der Genozid an der armenischen  Bevölkerung, die Problematik mit den Kurden und die Diskussion um das Kopftuch ein.

Die Meinungen gingen von „So lange sie nicht stänkern, sind sie eh okay“ bis zum Vorschlag, endlich die Kopftücher abzunehmen und sich „unserer“ Kultur anzupassen. Einige meinten hingegen, dass es an der Zeit sei, das Potential von Zweisprachigkeit und Vielfalt endlich zu nützen.

b50 b40 b60

Gefährdet der Einfluss fremder Kulturen die eigene und Warum? Wie beeinflussen uns Politik und Medien in unserem sozialen Leben, und wieviel wissen wir eigentlich von einander und unserer gemeinsamen Geschichte?

Advertisements
Image | This entry was posted in Stolz und Vorurteil and tagged , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , . Bookmark the permalink.

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s