Bürger, o bürger ihr müsset zunächst Reichtümer erstreben; Tugend erst nach dem Geld. – Horaz

content (6)

Lieber Brecht.

James ist endlich zurück. Ich habe ihn sofort gebeten, Ihnen das Geld zu schicken. Tilly ist auch hier, ich habe sie noch nicht besichtigt aber Abravanel sagt, sie mache einen begabten Eindruck. Übrigens ist James von der Dichtung vollkommen begeistert u. Es wird alles so gemacht werden, wie wir eine Anglaise und könnt vornehm reden, ich wollt schön tugendhaft seyn. Es muß was Schöns seyn um die Tugend, Herr Hauptmann. Aber bin ein armer Kerl. – Georg Büchner

Das Geld

content (9)Es ist nicht so, dass es sich bündeln, mit rosigen Banderolen bändigen, rollen ließe, in die Matratze stopfen für immer; dergestalt, dass du einfach einschlafen könntest und davon träumen, wie du es erbst, druckst, aus dem Fenster wirfst, austeilst, vernichtest, hast; wie du dastehst mit erhobenen Händen und zitterst, und einer brüllt: Zieh dich aus für zwölf Mark, für zwölf Millionen, leg dich hin, stirb entweder oder kämpfe darum, bis es hell wird draußen; nein, so ist es nicht; es ist ja nicht so, als ob du es haben, nicht haben, fassen, anfassen könntest; es riecht ja nicht, knistert nicht, hat kein Wesen; sondern es tropft psychisch, fehlt,  von  selber, sammelt sich innen, rinnt, gerinnt; dickflüssig überschwemmt es beim letzten Fixing alles was telephoniert; und zwar dergestalt steigt es, dass nur die Leichen nicht davon trinken; doch dann fällt es wieder, fehlt, verdunstet und tropft, von neuem, wirtschaftlich, und von selber.

– Keuschheit

sünde01Missvertändnis über Tugend. – Wer die Untugend in Verbindung mit der Lust kennengelernt hat, wie der, welcher  eine genusssüchtige Jugend hinter sich hat, bildet sich ein, dass die Tugend mit der Unlust verbunden sein müsse. Wer dagegen von seinen Leidenschaften und Lastern sehr geplagt worden ist, ersehnt in der Tugend die Ruhe und das Glück der Seele. Daher ist es möglich, dass zwei Tugendhafte einander gar nicht verstehen.

– Friedrich Nietzsche

Advertisements
This entry was posted in Stolz und Vorurteil. Bookmark the permalink.

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s